KI•POWERBOOST Newsletter22. Oktober 20269 Min. Lesezeit
Die KI war schneller als die Hacker
KI-Modelle finden eine kritische PHP-Lücke, die Millionen Websites betrifft, und Claude Duet arbeitet als proaktiver Agent im Hintergrund. Dazu: VW gibt 330.000 Beschäftigten Copilot, ChatGPT-Chats lassen sich sperren und OpenAI steigt in die Medikamentenentwicklung ein.
AI-Stories der Woche
Symbolbild, mit KI erstellt
🛡️KI entdeckt kritische PHP-Lücke, die Millionen Websites betrifft
Mithilfe von GPT-5.6 Sol hat die Sicherheitsfirma Calif im Rahmen von OpenAIs Initiative Patch the Planet eine kritische Schwachstelle in PHP entdeckt. Unabhängig davon fand Wiz die Lücken ebenfalls, unter anderem mit Googles Gemini 4 Argon. Die als PHP2Shell bezeichneten Fehler erlauben es Angreifern laut Wiz, ohne Anmeldung Code auf fremden Servern auszuführen, betroffen sind PHP-Versionen der letzten zehn Jahre. PHP steckt hinter rund 70 Prozent aller Websites, etwa mit WordPress, Drupal oder Joomla. Zwei Monate lang koordinierten das PHP-Team, OpenAI, Wiz, Cloudflare und weitere Partner die Behebung, am 21. Oktober erschienen die Patches. OpenAI stellt zusätzlich einen Versionsprüfer als Codex-Skill bereit.
Warum das wichtig ist
Der Fall zeigt beide Seiten: KI findet Lücken schneller als je zuvor, und dieselben Fähigkeiten helfen Angreifern beim Bau von Exploits. Wer eine Website mit WordPress oder einem anderen PHP-System betreibt, sollte jetzt prüfen, ob die Updates eingespielt sind.
🤖Claude Duet arbeitet als Agent weiter, während du offline bist
Anthropic hat mit Claude Duet eine App vorgestellt, in der Claude als proaktiver Agent arbeitet. Duet schickt dir morgens eine Zusammenfassung dessen, was deine Aufmerksamkeit braucht, prüft deine verbundenen Apps mehrmals am Tag, erledigt Aufgaben im Hintergrund und meldet sich nur, wenn es nötig ist. Bevor Duet in deinem Namen handelt, etwa bei Zahlungen, Unterschriften oder Löschungen, fragt es nach. Über mehr als 6.000 Connectoren und Plugins bindet es Tools wie Gmail, Slack, HubSpot, Stripe, DocuSign oder Shopify an und kann so Antworten vorbereiten, Rechnungen verwalten oder die Gehaltsabrechnung vorbereiten. Basis ist Claude Opus 5.5. Duet startet als Research Preview für Pro- und Max-Abonnenten in den USA, auf iOS, Android und claude.ai, mit Warteliste.
Warum das wichtig ist
Nach Dots, Muse und Cue zieht jetzt auch Anthropic mit einem Agenten nach, der von sich aus arbeitet. Bis Duet nach Europa kommt, kannst du das Prinzip schon selbst nachbauen, wie im AI-Hack weiter unten.
💼330.000 VW-Beschäftigte arbeiten jetzt mit Microsoft Copilot
Die Volkswagen Group hat mehr als 330.000 Beschäftigte mit Microsoft Copilot ausgestattet. Der Konzern ging dabei schrittweise vor: Zuerst bekamen die Mitarbeitenden breiten Zugriff auf Copilot Chat, das inzwischen über 300.000 Menschen pro Monat nutzen. Jetzt kommt Microsoft 365 Copilot mit Work IQ hinzu, das KI tiefer in die Abläufe von Entwicklung, Produktion, Beschaffung und Vertrieb bringt. Im vergangenen Monat waren konzernweit bereits mehr als 26.000 KI-Agenten aktiv. Vorgestellt wurde das Projekt auf der Microsoft AI Tour in Köln.
Warum das wichtig ist
Das ist einer der größten KI-Rollouts in einem deutschen Unternehmen. Spannend ist vor allem die Zahl der Agenten: KI wird bei VW nicht nur zum Chatten genutzt, sondern übernimmt schon eigenständige Aufgaben im Arbeitsalltag.
📱ChatGPT lässt dich einzelne Chats mit PIN sperren
In ChatGPT kannst du jetzt einzelne Chats sperren. Über das Menü eines Chats wählst du „Lock chat“, der Chat verschwindet dann aus dem Verlauf, den angehefteten Chats und der Suche und liegt unter Projekte in einem eigenen Bereich. Öffnen lässt er sich nur mit deiner vierstelligen PIN oder per Face ID, Touch ID oder Geräte-Entsperrung. Die Funktion kommt schrittweise für alle Pläne von Free bis Enterprise und Edu, im Web, in den Apps für iOS und Android und in der neuen Desktop-App für macOS und Windows. Wichtig: Gesperrte Chats sind nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt, und wer seine PIN zurücksetzt, verliert alle gesperrten Chats unwiderruflich.
Warum das wichtig ist
Praktisch, wenn du dir ein Gerät teilst oder sensible Themen nicht im normalen Verlauf haben willst. Echter Datenschutz ist das aber nicht: Für wirklich vertrauliche Daten bleibt die Frage, was du überhaupt in einen KI-Chat eingibst.
🔬OpenAI übernimmt Orchestra Bio und steigt in die Medikamentenentwicklung ein
OpenAI hat Orchestra Bio übernommen, eine Plattform, auf der Pharma-Teams und KI-Agenten gemeinsam Programme zur Medikamentenentwicklung koordinieren. Team und Technologie gehen in Rosalind auf, OpenAIs Angebot für die biowissenschaftliche Forschung mit dem Modell GPT-Rosalind und der Rosalind Workbench. Gemeinsam sollen Agenten entstehen, die Studien überwachen, wissenschaftliche Erkenntnisse mit Entscheidungen verknüpfen und nächste Schritte vorbereiten. Hintergrund: Bis ein neues Medikament in den USA zugelassen ist, vergehen im Schnitt zehn bis 15 Jahre. Einen Kaufpreis nannte OpenAI nicht.
Warum das wichtig ist
Agenten wandern in hochspezialisierte Branchen. Wenn KI die Koordination in der Pharmaforschung übernimmt, könnten neue Therapien schneller bei Patienten ankommen. Ob das gelingt, entscheidet sich aber in klinischen Studien.
Nvidia hat auf der GTC in Berlin DSX POD vorgestellt, ein Referenzdesign für komplette KI-Rechenzentren in Containern. Jeder Container fasst sieben Vera-Rubin-Racks mit zusammen 504 GPUs, dazu Netzwerk, Stromverteilung und Flüssigkeitskühlung. Partner wie Dell, HPE, Lenovo oder Foxconn bauen die Systeme im Werk zusammen und testen sie vor der Auslieferung, per Lkw kommen sie dann zum Standort. Dadurch soll die Inbetriebnahme an einem vorbereiteten Standort statt rund sechs Monaten nur 14 Tage dauern. Die ersten Systeme sollen Anfang 2027 ausgeliefert werden.
Warum das wichtig ist
Rechenleistung für KI wird damit schneller verfügbar, gerade in Europa, wo Nvidia das Angebot ausdrücklich platziert. Mittelfristig heißt das mehr Kapazität und damit weniger Engpässe bei den KI-Diensten, die du nutzt.
3 Claude-Hacks + Produktivitäts-App an 1 Abend gebaut
In dieser Folge zeigen Maxi und ich dir drei Claude-Hacks aus unserem Alltag und warum heute wirklich jeder ohne Programmierkenntnisse eigene Tools bauen kann.
Service wie bei Emirates als Claude-Skill: Maxi zeigt dir, wie er die Service-Geheimnisse von Emirates und 5-Sterne-Hotels in einen Skill verwandelt hat, der jede Anfrage übertrifft.
Der Prüfer-Agent: Du erfährst, warum ein zweiter Agent, der die Ergebnisse kontrolliert, deine KI-Ergebnisse sofort besser macht.
Eine Produktivitäts-App an einem Abend: Ich erzähle dir, wie ich an einem einzigen Abend mit Claude Code meine eigene App gebaut habe.
Tools bauen ohne Programmierkenntnisse: Wir klären, was heute für jeden möglich ist und wo die Grenzen liegen.
Alles zum Nachlesen in den KI TALK Notes: Kerninhalte, Prompts, Tools und Links jeder Folge findest du in den Notes, die du kostenlos abonnieren kannst.
Dein Termin-Briefing, das sich jeden Morgen von selbst schreibt
Agenten wie Claude Duet, OpenAIs Dots oder Metas Muse sollen künftig von selbst melden, was deine Aufmerksamkeit braucht. Duet startet gerade nur in den USA, Dots ist für Pro-Nutzer in Europa noch gesperrt.
Das Prinzip kannst du trotzdem heute schon nachbauen: mit einer geplanten Aufgabe, die jeden Morgen Kalender, Mails und Dokumente zusammenführt und dir vor jedem Kundentermin ein Briefing liefert.
Der HackStatt die KI zu fragen, wenn du etwas brauchst, gibst du ihr einen festen Auftrag mit Uhrzeit. Die Aufgabe läuft in der Cloud, auch wenn dein Rechner aus ist, und greift über Connectoren auf deinen Kalender, dein Postfach und deine Dokumente zu. Für jeden externen Termin des Tages sucht sie zusammen, worum es zuletzt ging und was noch offen ist. Entscheidend ist die klare Regel im Prompt: Die KI darf nur lesen, nichts senden, löschen oder verschieben.
So probierst du es ausIn Claude (ab Pro) verbindest du Gmail, Google Kalender und Google Drive als Connectoren. Dann klickst du links auf „Scheduled“ und „New task“, fügst den Prompt ein und wählst werktags 7 Uhr. In ChatGPT verbindest du dieselben Apps und lässt den Prompt als geplante Aufgabe anlegen. Im Gratis-Abo läuft sie einmal täglich in einem Zeitfenster wie „morgens“, in bezahlten Plänen zur exakten Uhrzeit. Dort kannst du Aufgaben sogar durch neue Gmail-Nachrichten auslösen lassen, etwa wenn ein wichtiger Kunde schreibt.
Warum das ein brutaler Mehrwert istDu startest mit einem Spickzettel für jedes Kundengespräch in den Tag, statt fünf Minuten vor dem Termin hektisch Mails zu durchsuchen. Weil die Aufgabe nur liest, bleibt das Risiko gering, und nach ein, zwei Wochen weißt du genau, welche Infos dir im Briefing noch fehlen. Das ist der einfachste Einstieg in Agenten, die für dich arbeiten, während du noch beim Kaffee sitzt.
Prompt für die geplante Aufgabe
Jeden Werktag um 7:00 Uhr:
Schau in meinen Kalender, welche externen Termine ich heute habe. Interne Meetings und Blocker überspringst du.
Such für jeden Termin in meinen Mails und Dokumenten der letzten 30 Tage alles zu dieser Person oder Firma heraus. Nur lesen: nichts senden, nichts löschen, nichts verschieben, nichts im Kalender ändern.
Gib mir pro Termin einen kurzen Block: Uhrzeit und Gesprächspartner, worum es zuletzt ging, was noch offen ist oder was ich zugesagt habe, und drei Fragen, die ich stellen sollte.
Habe ich heute keine externen Termine, schreib nur „Heute keine Kundentermine“.
KI-Notizbuch für Meetings, das ohne Bot im Call mitschreibt. Du notierst nur Stichpunkte, Granola ergänzt sie mithilfe des Transkripts zu sauberen Notizen mit Aufgaben und nächsten Schritten, auf Mac, Windows, iPhone und Android. Spannend ist das vor allem für alle mit vielen Terminen am Tag, von Beratung über Vertrieb bis zur Führungskraft. Wichtig: Sag den anderen im Meeting Bescheid, dass du mitschreiben lässt.
Wichtige KI-Features
Mitschrift ohne Bot: Granola nutzt das Audio deines Rechners, deshalb muss niemand einen Bot in Zoom, Google Meet oder Teams einladen.
Notizen, die mitdenken: Deine Stichpunkte werden nach dem Meeting mit dem Transkript ergänzt und um Aufgaben und Follow-ups erweitert.
Rezepte für wiederkehrende Aufgaben: Gespeicherte Prompts machen aus einem Meeting per Klick eine Follow-up-Mail, ein Coaching-Feedback oder eine Anforderungsliste, viele davon sind schon fertig angelegt.
Chat über alle Meetings: Du fragst Granola zum Beispiel, was ein Kunde in den letzten Gesprächen zum Budget gesagt hat.
Integrationen und MCP: Notizen landen in Slack, Notion, HubSpot oder Attio, und über den MCP-Server greifen Claude oder ChatGPT direkt auf deine Meetings zu.
Datenschutz: Das Audio wird nach der Transkription gelöscht, Notizen sind standardmäßig privat, und Granola ist nach SOC 2 Type II zertifiziert.
Praxisnutzen
Du bist im Gespräch voll bei der Sache, statt nebenher mitzutippen, und hast danach trotzdem vollständige Notizen.
Follow-up-Mails und Aufgabenlisten stehen direkt nach dem Meeting, statt abends nachgearbeitet zu werden.
Besonders nützlich für alle mit vielen Kundengesprächen, die zusammen mit dem Termin-Briefing aus dem AI-Hack einen kompletten Meeting-Workflow wollen.