KI•POWERBOOST Newsletter17. September 20268 Min. Lesezeit
Was ist wirklich dran am KI-Weltuntergang?
KI-Forscher warnen vor dem Kontrollverlust – und widersprechen sich dabei selbst. Dazu: Claude Cowork verschmilzt mit dem Chat, Meta bringt KI-Abos, OpenAI baut Werbung aus.
AI-Stories der Woche
Symbolbild, mit KI erstellt
⚠️KI-Forscher warnen vor der Auslöschung der Menschheit
Jacob Coxon hat vergangenen Dienstag bei Anthropic gekündigt und auf X geschrieben, die Entwickler selbst glaubten ernsthaft, KI könne uns alle bis zum Ende des Jahrzehnts auslöschen. Er war Anfang 2026 von OpenAI zu Anthropic gewechselt und kennt beide Häuser: Bei OpenAI hätten viele die zivilisatorischen Risiken nicht verinnerlicht, bei Anthropic seien sie verstanden, das Unternehmen sei aber "in einem Wettrennen gefangen". Gegenüber dem Wall Street Journal nannte er Ende 2027 als frühesten Zeitpunkt, an dem die Dinge nach den aggressivsten Szenarien außer Kontrolle geraten könnten. Evan Hubinger, bei Anthropic Teamleiter für Alignment-Stresstests, gab ihm öffentlich recht und beziffert die Wahrscheinlichkeit auf über zehn Prozent in den nächsten zehn Jahren. Widerspruch kommt von Meta-Chefwissenschaftler Yann LeCun, der solche Szenarien für Unsinn hält, und von Fachleuten, die daran erinnern, dass eine KI auf Rechenzentren, Stromnetze und Infrastruktur angewiesen bleibt, die Menschen kontrollieren.
Warum das wichtig ist
Der Kern stimmt: Das Alignment-Problem ist ungelöst, und das sagen die Leute, die daran arbeiten. Die Inszenierung ist trotzdem auffällig – Weltuntergangsrhetorik verkauft auch Superintelligenz. Für deinen Alltag bringt Panik nichts, begrenzte Rechte und ein Mensch in der Schleife schon. Mehr dazu in der Podcast-Folge weiter unten.
🤖Claude Cowork und Chat verschmelzen zu einem Claude
Anthropic führt Claude Cowork und den normalen Chat zusammen: Ab sofort entscheidet nicht mehr du, wo eine Aufgabe hingehört, sondern Claude selbst. Du kannst eine schnelle Frage stellen oder einen ganzen Bericht übergeben, Claude arbeitet auch nach dem Schließen des Laptops weiter. Neu sind außerdem Claude Docs und Claude Slides, dazu ist Claude Design jetzt direkt im Chat nutzbar, alle drei aktuell in der Beta auf bezahlten Plänen. Standardmäßig fragt Claude vor jeder Aktion nach, du kannst aber auch zulassen, dass es eigenständig weiterarbeitet und sich nur meldet, wenn etwas deine Aufmerksamkeit braucht.
Warum das wichtig ist
Die Trennung zwischen "schnellem Chat" und "großer Aufgabe" war für viele Nutzer nie intuitiv, wenn Claude das jetzt selbst entscheidet, sinkt die Einstiegshürde für komplexere Arbeit erheblich.
🚀Anthropic baut Claude-Code-Projekte um: Entwicklung wird noch automatischer
Anthropic hat die Projekte-Funktion in Claude Code grundlegend überarbeitet. Statt Aufgaben manuell auf einzelne Sitzungen zu verteilen, beschreibst du nur noch ein Ziel, ein Koordinator verteilt die Arbeit selbstständig auf parallele Cloud-Threads. Jeder Thread kann eigenständig Pull Requests öffnen und Tests ausführen, den Fortschritt verfolgst du im Hauptchat, in einzelnen Threads oder vom Smartphone aus. Über die Zeit baut Claude ein gemeinsames Gedächtnis auf, das alle Threads nutzen. Die Beta ist zunächst für ausgewählte Pro- und Max-Abonnenten mit Cloud-Sessions verfügbar.
Warum das wichtig ist
Statt einzelne Prompts zu koordinieren, übernimmst du die Zielsetzung und Claude die Orchestrierung, das verschiebt die Entwicklerrolle noch stärker Richtung Review statt Ausführung.
💰Meta bringt neue KI-Abo-Stufen für Facebook, Instagram und WhatsApp
Meta hat mit "Meta One" eine neue Abo-Familie vorgestellt, die erweiterten Zugriff auf die eigenen KI-Tools mit Premium-Features bündelt. Für Privatnutzer gibt es Core (7,99 Dollar) und Premium (19,99 Dollar) mit mehr Nutzung von Muse Image und Muse Video sowie dem KI-Restyle-Feature für Instagram Stories. Für Unternehmen und Creator kommen vier weitere Stufen von Essential bis Max mit Business-Agent-Funktionen. Laut Appfigures stieg der tägliche Umsatz von Instagram durch die bereits im März gestarteten Plus-Abos zuletzt um 475 Prozent.
Warum das wichtig ist
Meta monetarisiert damit gezielt seine milliardenschweren KI-Investitionen direkt über die eigene Nutzerbasis, statt wie OpenAI stärker auf Werbung zu setzen.
💼OpenAI baut Werbegeschäft in ChatGPT aus: gesponserte Agenten und Anzeigen per Prompt
OpenAI testet in den USA mit ausgewählten Werbekunden sogenannte "Sponsored Agents": Klickst du auf eine markierte Anzeige in ChatGPT, kannst du direkt einen Chatbot des werbenden Unternehmens kontaktieren, ganz ohne Verbindung zur ursprünglichen ChatGPT-Konversation. Zusätzlich baut OpenAI die Werkzeuge für Werbetreibende aus: Anzeigen lassen sich künftig per einfachem Prompt erstellen, ChatGPT selbst kann bestehende Anzeigen prüfen. Kampagnen lassen sich zudem direkt bei Drittanbietern wie HubSpot und Shopify planen.
Warum das wichtig ist
OpenAI baut damit eine eigenständige Werbeplattform "mit KI im Zentrum" auf, für Unternehmen entsteht ein neuer direkter Kontaktkanal zu ChatGPT-Nutzern mitten im Rechercheprozess.
📱Mistral treibt Mozillas neuen KI-Browserassistenten Smart Window an
Mistral und Mozilla haben eine Partnerschaft für datenschutzfreundliches KI-Browsing angekündigt. Der neue Firefox-Assistent "Smart Window" läuft in der Beta auf Mistral-Modellen und soll bei komplexen Suchen helfen, sich an besuchte Inhalte erinnern und Informationen aus offenen Tabs zusammenfassen. Verfügbar ist die Funktion zunächst in Frankreich und Nordamerika, Großbritannien und Deutschland sollen noch dieses Jahr folgen. Laut Mistral werden Gespräche standardmäßig nicht auf Mozillas Servern gespeichert.
Warum das wichtig ist
Die Firefox-Partnerschaft zeigt, dass ein offener Browser auch mit einem europäischen Modellanbieter wettbewerbsfähig bleiben kann, gerade für Nutzer, denen Datenschutz wichtig ist.
🛡️Deutschland und Kanada investieren gemeinsam in KI-Sicherheitsprojekt LawZero
Kanada und Deutschland fördern die KI-Sicherheitsorganisation LawZero von Turingpreisträger Yoshua Bengio mit zusammen bis zu 300 Millionen kanadischen Dollar, Kanada steuert 150 Millionen kanadische Dollar bei, Deutschland rund 100 Millionen Euro. Im Zentrum steht der Forschungsansatz "Scientist AI": ein System, das die Welt möglichst neutral modellieren und Hypothesen bewerten soll, ohne eigene Ziele zu verfolgen. Die deutschen Mittel fließen in einen neuen LawZero-Standort in Berlin.
Warum das wichtig ist
LawZero verfolgt mit staatlicher Rückendeckung einen Gegenentwurf zu autonomen KI-Agenten, ein Testfall, ob sich Sicherheit und Souveränität in Europa auch außerhalb der großen KI-Labore vorantreiben lassen.
Claude & ChatGPT: 3 Funktionen für 10x mehr KI-Power, die 90% übersehen
In dieser Folge zeige ich dir drei mächtige, aber unterschätzte Funktionen in ChatGPT und Claude, mit denen du deutlich mehr aus beiden Tools rausholst, als die meisten Nutzer aktuell tun.
Computer- und Browser-Use richtig nutzen: Ich zeige dir an konkreten Beispielen aus meinem Alltag, wie du ChatGPT und Claude direkt in Browser und Rechner eingreifen lässt.
Geplante Aufgaben als stiller Produktivitätshebel: Du erfährst, wie du wiederkehrende Aufgaben einmal einrichtest und danach automatisch erledigen lässt.
Konnektoren zu deinen eigenen Tools: Ich zeige dir, wie Claude und ChatGPT auf deine bestehenden Systeme zugreifen und dadurch kontextbewusster arbeiten.
KI-Sicherheitsdebatte um den Anthropic-Austritt eingeordnet: Ich ordne ein, was hinter den aktuellen Warnungen steckt und was davon für deinen Alltag relevant ist.
Eure Fragen zu GPT-6 Astra, Claude Sprachmodus und meiner Tool-Einschätzung: Ich beantworte die meistgestellten Hörerfragen der letzten Wochen direkt in der Folge.
Custom Instructions als Dauerbriefing statt Wegwerf-Prompt
Die meisten schreiben in jedem neuen Chat wieder auf, wer sie sind und wie die Antwort aussehen soll. Dabei gibt es in ChatGPT und Claude längst ein Feld genau dafür, das kaum jemand richtig befüllt. Gut gepflegte Custom Instructions sparen laut Erfahrungsberichten bis zu 60 Prozent der Prompt-Länge.
Der HackIn ChatGPT (Einstellungen → Personalisierung) und in Claude (Einstellungen → Konto) gibt es jeweils zwei Bereiche: Was die KI über dich wissen soll, und wie sie antworten soll. Der Trick liegt darin, das zweite Feld nicht mit Allgemeinplätzen zu füllen, sondern mit den drei, vier Dingen, die dich in jedem Chat wirklich nerven, egal ob es "menschlicher schreiben", "unsichere Annahmen markieren" oder "immer eine Qualitätsprüfung vor der Ausgabe" ist. Wichtig: Beide Modelle neigen bei komplexen Aufgaben dazu, Instructions teilweise zu ignorieren, deshalb gehört deine wichtigste Regel ans Ende des Felds.
So probierst du es ausÖffne die Personalisierungs-Einstellungen und ersetze den Platzhaltertext durch echte Angaben. Teste danach zwei, drei Tage bewusst, an welcher Stelle sich die KI noch nicht dranhält, und schärfe genau diesen Satz nach.
Warum das ein brutaler Mehrwert istDu sparst dir das Wiederholen von Kontext in jedem neuen Chat, bekommst von der ersten Antwort an den richtigen Ton statt drei Nachbesserungsrunden, und Dinge wie Selbstcheck oder markierte Annahmen laufen automatisch mit. Gerade bei wiederkehrenden Aufgaben wie E-Mails, Reports oder Kundenanfragen macht sich das schnell bezahlt.
Beispiel für das Feld "Wie soll die KI antworten?"
Ich arbeite im Marketing für ein B2B-SaaS-Unternehmen und leite ein kleines Content-Team.
Schreib menschlich statt lehrbuchhaft, keine KI-typischen Übergangsfloskeln.
Wenn du bei einer Aufgabe eine Annahme triffst, weil etwas nicht eindeutig ist, benenne diese Annahme kurz, statt sie stillschweigend zu treffen.
Am wichtigsten: Bevor du eine fertige Antwort ausgibst, prüfe sie noch einmal selbst auf Fehler, Wiederholungen und ob sie wirklich meine Frage beantwortet.
KI-Agentenplattform für Kundenerlebnis und Support, die über 10.000 Unternehmen für Chat, E-Mail und Voice einsetzen. Besonders interessant für Support-, Sales- und Customer-Success-Teams, die wiederkehrende Anfragen nicht mehr manuell abarbeiten, sondern über klar definierte Abläufe automatisiert lösen wollen.
Wichtige KI-Features
Procedures: Abläufe werden in einfacher Sprache definiert und vom Agenten Schritt für Schritt mit eingebauten Aktionen abgearbeitet.
Omnichannel-Einsatz: Ein Agent bedient Chat, E-Mail und Voice gleichzeitig, veröffentlicht wird mit einem Klick.
Helpdesk für Mensch und KI: Tickets landen in einem gemeinsamen Helpdesk, in dem KI und Mitarbeiter an derselben Konversation arbeiten.
Backstage-Analyse: Ein separater Analyse-Agent beantwortet Fragen zu Kundendaten und zeigt Stimmungs- und Trendauswertungen.
Modellauswahl: Im integrierten Playground lässt sich zwischen Claude, GPT, Gemini, DeepSeek, Grok und Kimi wählen.
Enterprise-Absicherung: GDPR-, SOC-2- und HIPAA-Konformität sowie Verschlüsselung sind fest eingebaut.
Praxisnutzen
Weniger manuelle Bearbeitung von Standardanfragen wie Rücksendungen, Rechnungsfragen oder Terminbuchungen.
Schnellere Einrichtung ohne Entwicklerressourcen, da Datenquellen und Abläufe ohne Code angebunden werden.
Besonders nützlich für Teams mit hohem Ticketaufkommen, die Reaktionszeiten senken wollen, ohne bei komplexeren Fällen auf menschliche Unterstützung zu verzichten.